Hangwasser

Hangwasser ist Hochwasser, das nicht durch Bäche oder Flüsse, sondern in sonst trockenen Einzugsgebieten durch flächenhaften Abfluss von Oberflächenwässern entsteht. Bei intensiven Niederschlägen kommt es innerhalb kurzer Zeit zu hohen Abflüssen aus Hangflächen. Die Folge sind Schäden durch Erosion in landwirtschaftlichen Flächen und Schäden durch Wasser und Schlamm in Siedlungsgebieten.

Zur Erstellung von Hangwasser-Gefahrenkarten werden heute folgende Modellansätze verwendet:

  • GIS-Analyse der Tiefenlinien im Gelände
  • vereinfachte hydraulische 2d-Modellierung
  • hydrodynamische 2d-Modellierung

Die Büro Pieler ZT GmbH war unter den ersten Büros in Österreich, die sich systematisch mit dieser Problematik auseinandergesetzt haben. In Pilotprojekten wurde die einfache und kostengünstige Methode der GIS-Analyse entwickelt und mit den detaillierteren Methoden verglichen.

Sowohl in Niederösterreich als auch in der Steiermark wurden in der Zwischenzeit mit der GIS-Analyse erzeugte „Gefahrenhinweiskarten Hangwasser“ erstellt. Diese stehen flächendeckend für die beiden Bundesländer zur Verfügung.

Link: www.noe.gv.at/Umwelt/Wasser/Aktuelles/Hochwasser_Hangwasser.html

Die Gefahrenhinweiskarten Hangwasser liefern einen ersten Eindruck über die Fließwege von Hochwasser abseits der Flüsse und Bäche. Da die Analyse ausschließlich an Hand des digitalen Geländemodelles erfolgt, werden Rohrleitungen, Durchlässe, Brücken und hydraulisch wirksame Kleinstrukturen nicht berücksichtigt. Die Karten sind daher entsprechend vorsichtig zu interpretieren und anzuwenden. Für lokale Aussagen ist jedenfalls eine Geländebesichtigung und Plausibilitätsprüfung der Karten erforderlich. Darauf weisen die Informationen hin, die mit den Karten veröffentlich werden.

Download: FLIESSPFADE im GIS - Steiermark, Grundlagen und Erläuterungen zur Anwendung

Download: Gefahrenhinweiskarte Hangwasser, Grundlagen und Erläuterungen zur Anwendung

Die Gefahrenhinweiskarten Hangwasser weisen keine Ausdehnung von Überflutungsflächen und keine Wassertiefen aus, sondern nur die Fließwege klassifiziert nach der Größe des Einzugsgebietes. Diese Schwäche ist auch gleichzeitig eine Stärke, da die Ergebnisse nicht nur für ein sonst anzunehmendes Regenereignis einer bestimmten Dauer und Jährlichkeit sowie für schwierig anzunehmende Abflusskoeffizienten gilt.
Die Gefahrenhinweiskarten wurden mehrfach in Gemeinden sowie den Fachdienststellen der Raumordnung und des Katastrophenschutzes präsentiert. Nach kurzer Erläuterung der Methodik und ihrer Schwächen bezeichneten die Zuhörer die Karten als gut interpretierbar und den lokalen Erfahrungen entsprechend. Einhellig wurden die Karten begeistert aufgenommen.

Die Fließwege aus der GIS-Analyse wurden im Projekt „Hangwasserkarten Kapfenberg“ mit den Überflutungsflächen aus einer hydrodynamischen 2d-Berechnung verglichen. Dabei wurde festgestellt, dass die wesentlich aufwändigere Methode zwar scheinbar anschaulichere Flächenausweisungen, aber keine genaueren Ergebnisse liefert, da die Datengrundlage ja die gleiche ist.

Für das Land Niederösterreich wurde auch eine Methodensammlung für einfache Abschätzung von Hochwasserabflussmengen, -wellen und –volumina sowie von Rohrkpazitäten erarbeitet. Auf dieser Grundlage können Größenordnungen für die Gefahrenanalyse und für Lösungsansätze abgeschätzt werden.

Download: Hangwasser – hydrologische Abschätzung

Für die konkrete lokale Planung von Maßnahmen ist es unbedingt erforderlich, die Ergebnisse der Gefahrenhinweiskarten Hangwasser im Gelände zu verifizieren. Exaktere Gefahrenkarten und hydraulische Dimensionierungen müssen dann auf Grundlage genauerer Berechnungsansätze und korrigierter Geländemodelle durchgeführt werden. Zu diesem Zeitpunkt ist es auch sinnvoll, die Gefährdung und die Lösungsansätze mit den genaueren 2d-Berechungen zu analysieren.

Referenzen: